Bericht und Impressionen Ultracycling EM 2015 in Irland

Linksverkehr statt Rechtsverkehr – Rennbericht Race Around Ireland 2015

In den letzten Jahren hat sich das Race Around Ireland (RAI) zu einem der prestigeträchtigsten
und härtesten Extremradrennen der Welt gemausert. Auch im 2015 stellt das RAI die offizielle
Ultracycling-Europameisterschaft dar. 

Nach wochenlanger Vorbereitung fiel am 30. August in Trim bei Dublin vor der imposanten
Ruine des Trim Casle (Braveheart Film Locations) um 15.12 Uhr für mich der Startschuss
zum RAI. Die Stecke 2‘193 Kilometer führt einmal rund um die Insel, wobei bei der Umrundung
von Irland – vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten und wildromantischen Landschaften – insgesamt
über 24‘000 Höhenmeter überwunden werden mussten. Auf diese Distanz hören sich diese
Höhenmeter zwar nicht unbedingt nach viel an, jedoch war die Strecke permanent mit Hügeln
und unzähligen Steigungen mit bis zu 27% gespickt. Das Wetter erwies sich als ständige
Herausforderung, der Wind war ein ständiger Begleiter ebenso konnte es von einem Moment
auf den nächsten Regnen, welcher „aber zu unserem Glück“ meistens nur von kurzer Dauer war.
Auch die langen, kalten und windigen Nächte waren durch die unbeständigen Wetterbedingungen
hart – ich glaube nicht nur für mich, sondern auch für die anderen Teilnehmer. Ansonsten taten
die schmalen, schlecht asphaltierte Strassen ihr übriges, um mir alles abzuverlangen.

Für das Erreichen des angepeilten Podestplatzes hatte ich mir eine Schlafstrategie mit 15minütigen
Powernappings und einer 1-2stündigen Pause in der zweiten oder dritten Nacht zurechtgelegt,
welche ich mehr oder weniger auch einhalten konnte. Neben der mentalen Herausforderung bin ich
von der unvergleichlichen Landschaft in Irland beeindruckt, du glaubst du fährst ständig durch eine
Märchen-/Traumwelt. Auf den Strassen ist es total beengend, Strassen die bei uns wahrscheinlich
nicht einmal als Feldwege durchgehen würden. Dazu kommt das wechselhafte Wetter und der
permanent starke Wind, der vom Meer ins Landesinnere bläst.

Dank der Unterstützung meines Teams lief alles rund. Wegen den Bedingungen in Irland war mein
Team stetig gefordert, auch hatte ich ein ständiges Hungergefühl welche es so gut wie nur möglich
mit Pasta, Reisgerichten, Sandwichts, Chips, „Gummibärli“, usw. zu befriedigten galt. Auch wenn
wir an einem Radrennen waren, Kulturpflege musste aber auch sein – am Morgen suchten wir jeweils
ein Cafe auf wo wir dann gemütlich frühstückten. An der Time Station 16 und Aussichtspunkt
Mizen Head, CO. Cork nahmen wir uns auch die Zeit um in aller Ruhe die wunderschöne Aussicht
zu geniessen und ein Eis zu essen.

Nur einmal machte ich mir richtige Sorgen, mir ist ein Anfängerfehler unterlaufen, als ich von einem
Parkplatz auf die Strasse fahren wollte habe ich einen „hohen“ Absatz übersehen – ich konnte nicht
mehr rechtzeitig reagieren, das Vorderrad blockierte und es kam unweigerlich zum Sturz. Zum Glück
ist mir nichts passiert, nach den ersten Schrecksekunden also wieder ab aufs Rad und weiter. Leider
dauerte die Fahrt nur ein paar Meter, bei Sturz ist mein Rad auf den Kettenwechsler gefallen, Schalten
war unmöglich. Mir blieb in diesem Moment nichts anderes übrig als auf mein Ersatzrad umzusteigen.
Mein Team war sofort bemüht die defekte Schaltung schnellstmöglich zu reparieren, was ihnen mit
Unterstützung auch in Kürze gelang und ich wieder auf meine Rennmaschine wechseln konnte.
Apropos Schaltung, wegen den schlechten Strassenverhältnissen hatten wir im Verlauf des ganzen
Rennens nur einen Platten, dafür hat uns die Schaltung das eine oder andere Mal grössere Problem
bereitet. Mein Team hat aber alle technischen Herausforderungen mit Bravour gelöst!!

Rein körperlich habe ich die Anstrengungen gut verdaut, das einzige Problem waren die miserablen
Strassen ich spüre meine Handgelenke und vor allem den Hintern „da teilweise meine Räder zu hart
gepumpt waren“. Ich habe im Vorfeld immer gesagt, dass mir Wetter wie in Irland liegt und ich steile
Rampen mag – aber auch ich habe am brutalen Stück am St. Patrick’s Hill in Cork „gefühlte >40%
Steigung“  mein Rad geschoben.

Etwas müde aber sehr zufrieden erreichte ich nach 108 Stunden und 40 Minuten das
Ziel im Navan Enterprise Center!!

Meine Platzierung: 3. Rang (over all) an der Ultracycling-Europameisterschaft

Nach der Siegerehrung durften wir unser wohlverdientes erstes irisches Guinness geniessen. Am Freitag
und Samstag hatten wir dann noch genügend Zeit um Dublin und Umgebung zu besichtigen bevor am
Sonntag 06.09. die Heimreise wieder auf dem Programm stand. 

Bedanken möchte ich mich bei meinem Betreuerteam Peter Müller, Reto Egli, André Hatt, Kurt Müller,
Pascal Houy und meinem Schatz Michaela, ohne eure Hilfe wäre dieser Frfolg nicht möglich gewesen!!!!

Mein Dank gilt ebenfalls allen Unterstützern, Fans und Helfern

Ergebnis Race Around Ireland 2015:
1. Bernhard Steinberger (GER) – 98Std. und 22min (22,32 km/h)
2. Bernt Paul (GER) – 100Std. und 39min (21.82 km/h)
3. Hansi Nyfeler (CH) – 108Std. und 40min (20,21 km/h)
4. Michi Hange (GER) – 128Std. und 26min (17.10 km/h)
5. Donncha Curttriss (IRL) – 128Std. und 41min (17.07 km/h)

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